Internationale Beispiele von Gesundheitsfolgenabschätzung

GFA wird in unterschiedlichen Sektoren bzw. in einem breiten Maßnahmenspektrum verwendet.

Beispiele von durchgeführten GFA sind über die Websites verschiedener Universitäten, Organisationen und Public-Health-Institute verfügbar.

Umsetzung der europäischen Agrarrichtlinie GAP in Slowenien

Zwischen 2001 und 2003 wurde in Slowenien angesichts des bevorstehenden EU-Beitritts eine GFA zur Umsetzung der europäischen Agrarrichtlinie GAP durchgeführt. Ziel war es, noch während der Beitrittsverhandlungen die Auswirkungen dieser Adaption der nationalen Agrarpolitik auf die Gesundheit der slowenischen Bevölkerung abzuschätzen und außerdem gesundheitsrelevante Grundlagen für die Verhandlungen bereitzustellen. Das Assessment analysierte vor allem die Bereiche Produktion von Obst und Gemüse, Wein und Molkereiprodukten bzw. politische Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums. Diese GFA ist insofern bedeutsam, als bis zu diesem Zeitpunkt Gesundheitsaspekte im Agrarsektor kaum Relevanz hatten; sie stellten zudem keinen direkten Verhandlungsfaktor innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dar.

Ein Ergebnis der slowenischen GFA ist, dass Lebensmittelsicherheit zu einer tragenden Säule des nationalen Lebensmittel- und Ernährungsplans wurde. Die Erfahrungen unterstreichen außerdem die Wichtigkeit von Bewusstseinsbildung innerhalb des Agrarsektors für gesundheitliche Effekte der eigenen, sektoriellen Politik und die Wichtigkeit einer Identifizierung landwirtschaftsbezogener Gesundheitsdeterminanten. Langfristig gesehen ermöglichte die GFA neue Kommunikationsebenen und eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen dem slowenischen Agrar- und dem Gesundheitsministerium auf Grundlage eines gewachsenen Verständnisses für die Argumente und Positionen des jeweils anderen Sektors sowie die Identifizierung gemeinsamer Interessen (vgl. Lock et al. 2003; Lock/Gabrijelcic-Blenkus 2004).

Wohnverhältnisse und die Gesundheit von Kindern in Massachusetts/USA

In Massachusetts, einem Bundesstaat im Nordosten der USA, gibt ein steigender Anteil der Familien zwischen 30 und 50 Prozent ihres Gesamteinkommens für Miete aus. Die Politik (Gouverneur, Repräsentantenhaus, Senat) beauftragte deshalb im Jahr 2005 die Arbeitsgruppe der Universität für Public Health in Boston, in einer GFA die Gesundheitseffekte von Mietgutscheinen für benachteiligte Familien zu beurteilen.

Im GFA-Abschlussbericht wurden auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz die positiven Effekte von Mietgutscheinen wie folgt zusammengefasst: Eine Verbesserung der Wohnverhältnisse nützt vor allem den Kindern und reduziert die direkt damit verbundenen allergischen und infektiösen Krankheiten, verringert psychiatrische Probleme sowie Unfälle und Verletzungen. Daraus folgt eine niedrigere Zahl an Ambulanzbesuchen und eine Reduktion der Krankenhaushäufigkeit. Eine Reduktion der Mietausgaben in Relation zu den Gesamtausgaben verbessert die Möglichkeiten im Bereich anderer, direkt mit der Gesundheit zusammenhängender Grundbedürfnisse, wie Ernährung, Bildung, Transport etc.

Auf Basis der GFA entschied sich die Politik, Mietgutscheine für eine erweiterte Bevölkerungsgruppe einzusetzen, die Administration zu vereinfachen und eine Begleitevaluierung zu etablieren.

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Verkehrsstrategie der Stadt Edinburgh/Schottland

Die GFA untersuchte drei unterschiedliche Szenarien der Weiterentwicklung des städtischen Verkehrssystems in Edinburgh, die vom Stadtrat als mögliche Strategien vorgelegt wurden. Für Szenario 1 (gleichbleibende Ausgaben = minimale Verbesserungen der öffentlichen Verkehrsmittel) wurden generell negative Gesundheitsauswirkungen prognostiziert, die bei sozial benachteiligten Gruppen besonders ausgeprägt wären. Szenario 2 (steigende Ausgaben = Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel, mehr Radwege und Parks) würde in gleichbleibender Verkehrsbelastung und damit auch Gesundheitsauswirkungen resultieren. Szenario 3 (stark steigende Ausgaben, die durch „Straßenmaut“ aufgebracht werden = massive Investition in öffentliche Verkehrsmittel, verkehrsberuhigende Maßnahmen, Vorrang für Fußgänger/innen und Radfahrer/innen) hätte positive Gesundheitsauswirkungen für alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere aber für sozial Benachteiligte.

Beispielhafte Empfehlungen zur Optimierung der Gesundheitsauswirkungen:

  • Großprojekte sollen als Voraussetzung für die Planungserlaubnis immer einen „green commuter plan” (ökologischen Pendlerplan) vorlegen.
  • Bei Verkehrsmanagement und Straßenerhaltung soll immer Gehen, Radfahren und öffentlichem Verkehr Vorrang vor Autoverkehr gegeben werden.
  • Die Entwicklung von sicheren Schulwegen soll fortgesetzt werden.
  • Es sollen „Transport awareness plans” entwickelt werden, die folgende Aspekte promoten:
    • Bedürfnisse und Rechte von Fußgängerinnen und Fußgängern
    • Gesundheitsnutzen von moderater Bewegung
    • Notwendigkeit, Konflikte zwischen Fußgängerinnen/Fußgängern und Radfahrerinnen/Radfahrern zu reduzieren

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Pilot Health Impact Assessment der Europäischen Beschäftigungsstrategie (EES) / Irland

Im Zuge des EU-Projektes „Policy Health Impact Assessment for the European Union” beauftragte die DG Sanco eine Pilot-GFA zur Implementierung der Europäischen Beschäftigungsstrategie (European Employment Strategy, EES). Ziel des Pilotprojekts in Irland war es, eine standardisierte Methode für GFA zu EU-Policies und EU-Aktivitäten zu entwickeln.

Die Pilot-GFA untersuchte, wie sich Entscheidungen der Europäischen Union auf die Gesundheit in den Mitgliedstaaten auswirken bzw. wie die Implementierung der Beschäftigungsstrategie erfolgen sollte, um die Gesundheit der Bevölkerung zu maximieren. Für die Pilot-GFA wurde der Fokus auf zwei Themenbereiche der EES gelegt: Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Eindämmung der Arbeitslosigkeit sowie Integration und Verhinderung von Diskriminierung von benachteiligten Personen am Arbeitsmarkt.

Beispielhafte Empfehlungen zur Optimierung der Auswirkungen der Arbeit auf die Gesundheit

  • Schaffen von Unterstützungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für arbeitslose Jugendliche und ältere Erwerbstätige (45+)
  • Einführen von Modellen der Altersteilzeit
  • Fördern einer Work-Life-Balance (insbesondere für berufstägige Mütter) sowie Anbieten von kostengünstigen Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • Stärken der Stressbewältigungsressourcen von Erwerbstätigen
  • Sammeln und Aufbereiten von Daten zur Gesundheitssituation am Arbeitsplatz

Ausgewählte Überblicksarbeiten zu „Health Impact“ (Reviews, Evidence Summaries) finden sich auch unter folgendem Link.